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Rhein-Neckar-Zeitung vom 9.2.2008

Bei Professor „DJ-Funk" kochte die „Halle"

Von Sebastian Riemer, RNZ vom 9.2.2008

Die Halle kocht. Zu den hämmernden Takten von "Eye of the Tiger" bahnt er sich auf der riesigen Leinwand bereits seinen Weg durch den Backstage-Bereich. Ist es Sylvester Stallone alias Rocky, der da entschlossen voranschreitet? Nein, es ist "nur" ein Professor. Unter dem grenzenlosen Jubel seiner Fans entert Joachim "DJ Funk" Funke die Bühne.

Der Psychologie-Professor ist einer der acht Akademiker der Heidelberger Universität, die am Donnerstag bei der "Night of the Profs" in der Halle 02 für einen Abend die Bücher beiseite schoben, um als DJs ihre Studenten zu begeistern.

Funke geht in der großen Halle gleich in die Vollen. Mit "Help" von den Beatles versucht er, die studentische Meute zum Tanzen zu bringen. Soziologie-Professor Jürgen Kohl ist – ganz solidarisch – einer der ersten auf der Tanzfläche. Nach zehn Minuten, inzwischen läuft "Barbara Ann" von den Beach Boys, ist das Parkett gerammelt voll, nach jedem Song gibt es überschwänglichen Applaus. Aber das Beste ist: Joachim Funk tanzt hinter dem DJ-Pult zu seiner eigenen Musik so impulsiv und energisch mit, dass es eine wahre Augenweide ist. Ein Trend, den sich später auch die anderen Hobby-DJs zu eigen machen werden.

In der kleinen Halle geht es derweil noch etwas verhaltener zu. Mit einem geschmackvollen, rockigen Mix aus seiner Ipod-Sammlung erhöht aber auch der Politikwissenschaftler Reimut Zohlnhöfer schnell seinen Coolness-Faktor in der Studentenschaft. Es ist ein fast schon liebreizendes Bild, wie Dozenten, Studenten und Doktoranden des Instituts in trauter Eintracht zu "Crazy little thing called love" von Queen tanzen.

Unterdessen ist DJ Funk am Ende seiner heterogenen Playlist angekommen. Nach Elvis, ABBA und der Spider Murphy Gang verlässt er unter den spitzen Schreien von jungen Studentinnen, die beinahe an echte Groupies erinnern, die Bühne. "Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben", tönt es als persönliche Hommage Funkes an seine Heimatstadt noch aus den Boxen.

"Schwer steigerbar, diese Performance", denkt sich da die vom exzessiven Tanzen bereits in Stimmung gebrachte Studentenschar. Doch dann kommt Jürgen Kohl. Schon sein T-Shirt lässt keinen Zweifel an seinen Ansprüchen: In großen Lettern prangt "Boss" auf seiner Brust. "Mein Motto ist: Back to the roots, hier sind die Sixties und Seventies", ruft er im semi-professionellen Einheizer-Stil ins Mikrofon. Mit "Let’s have a party" und "Let’s dance" legt Kohl dann den Grundstein für über eine Stunde Party pur – und sogar Songs aus den 80ern und 90ern sowie neuesten Brit-Rock lässt der "Boss" erklingen.

Als dann weit nach Mitternacht BWL Dozent Hans-Christian Krcal auflegt, ist ihm das Publikum von Anfang an ergeben. Der zuweilen funkige Einschlag seiner Musik ist perfekt zum Weitertanzen, lässt aber nach den die Hüften umherschleudernden Rhythmen von DJ Kohl auch eine kleine Verschnaufpause zu.

In der kleinen Halle sorgt zeitgleich der Soziologie-Professor Gert Albert für Abwechslung. Nach einer astreinen Rockrunde von Michael Prien vom Seminar für Übersetzen und Dolmetschen gräbt Albert gemeinsam mit seinem alten Kumpel Achim Schibel ein neues Genre aus.

Nun kommen auch Fans von Hip-Hop und Black Music auf ihre Kosten. So streut der Soziologe etwa "Babyboy" von Beyoncé in sein ansonsten aus exklusiven Rock- und Popsongs bestehendes Set ein. Der Sportwissenschaftler Daniel Memmert gibt den Studenten schließlich mit seiner Partymusik den Rest.

In der großen Halle ist als letzte Birgit Spinath dran. Von den Feten des psychologischen Instituts bereits party- und DJ-erprobt, zeigt sie nun mit House, Rock und Pop vor Hunderten, was sie drauf hat.

Spinath übernimmt den Tanz-Trend, den ihr Kollege Funke am Anfang begründete – doch ihre Tanzbewegungen haben deutlich mehr Stil, mitunter wirkt sie sogar ein wenig lasziv. Nach über fünf Stunden sind die Studenten restlos bedient.

"Wenn ich nächstes Semester in eine Vorlesung von DJ Kohl gehe, werde ich mich kaum auf seine Ausführungen konzentrieren können", meint eine Soziologie-Studentin. "Seine Art zu tanzen, war einfach zu heiß."

 
© 2008 NIGHT OF THE PROFS HEIDELBERG